Radwende, Flick-Flack, Salto rückwärts – was bei erfahrenen Turnern leicht und fließend aussieht, ist ein präzises Zusammenspiel vieler Einzelbewegungen. Damit herausfordernde Elemente wie der Flick-Flack sicher erlernt werden können, werden sie im Training in einzelne Phasen zerlegt und Schritt für Schritt aufgebaut.
Methodikgeräte unterstützen diesen Prozess, indem sie einzelne Bewegungsbausteine gezielt trainierbar machen. Niedrigere Geräte reduzieren die Fallhöhe, verbreiterte Laufflächen geben mehr Sicherheit und speziell geformte Trainingshilfen unterstützen bestimmte Bewegungsrichtungen.
Welche Trainingshilfe sinnvoll ist, hängt vom Turnelement, dem Leistungsstand und dem jeweiligen Lernziel ab. In diesem Beitrag zeigen wir typische Einsatzmöglichkeiten von Methodikgeräten – vom Handstand über Flick-Flack und Sprung bis zu Kreisflanken.
Handstand: Stützposition und Körperspannung entwickeln
Der Handstand gehört zu den grundlegenden Elementen im Gerätturnen. Er wird nicht nur am Boden, sondern auch an verschiedenen Geräten wie Ringen, Parallelbarren und Schwebebalken geturnt. Auch bei Abgängen am Pauschenpferd führt die Bewegung über den Handstand, während die Handstandposition am Reck und Stufenbarren beispielsweise Ausgangspunkt für Riesenfelgen ist.
Neben Körperspannung und Schulterstabilität spielt dabei auch die kontrollierte Belastung von Händen und Armen eine wichtige Rolle. Handstandklötze ermöglichen Handstand- und Stützübungen in Bodennähe. Ihr Griffprofil ähnelt einem Barrenholm und bereitet damit zugleich auf die Handposition am Gerät vor.
Der Handstand-Übungsbarren erweitert das Training auf zwei Holme und schafft durch seine geringe Höhe eine kontrollierbare Übungssituation mit reduzierter Fallhöhe. So lassen sich Handstandphasen und Stützarbeit schrittweise unter zunehmend gerätenahen Bedingungen trainieren.
Flick-Flack und Überschlag: Bewegungsphasen vorbereiten
Beim Flick-Flack greifen Absprung, Rückwärtsbewegung, Handstütz, Abdruck und Landung unmittelbar ineinander. Ein Flick-Flack-Trainer unterstützt die typische Überschlagbewegung durch seine gerundete Form. Er hilft dabei, Bewegungsrichtung, Körperposition und den Übergang in den Handstütz gezielt zu erfahren und wiederholt zu üben.
Gleichzeitig kann die unterstützte Bewegungsausführung helfen, Unsicherheit und Angst vor der Rückwärtsbewegung abzubauen. Bewegungsablauf und Handstütz können zunächst unter erleichterten Bedingungen erfahren werden, bevor die Unterstützung schrittweise reduziert wird.
Methodikblöcke und Keilmatten können ergänzend in solche Übungsaufbauten integriert werden. Sie verändern Höhe, Neigung oder Landeposition und ermöglichen es, einzelne Bewegungsphasen unter vereinfachten Bedingungen zu trainieren.
Methodikgeräte für Boden & Sprung
Drei Trainingshilfen für Überschlag, Absprung und vorbereitende Bewegungsabläufe.
Methodik am Sprunggerät: Absprung und Stütz vorbereiten
Beim Sprung über ein Sprunggerät wie den Sprungtisch oder Sprungkasten greifen Anlauf, Absprung, erste Flugphase, Stütz, Abdruck und Landung unmittelbar ineinander. Diese Phasen können im Training einzeln vorbereitet und anschließend zu einem vollständigen Sprung verbunden werden.
Ein Schaumstoff-Sprungbrett unterstützt vor allem den Einstieg in das Absprungtraining. Durch die weichere Ausführung können Turner den Rhythmus, den einbeinigen Einsprung, den beidbeinigen Absprung und die Körperposition gezielt üben.
Methodikblöcke und passende Matten ergänzen den Aufbau, indem sie Stütz- oder Landeflächen verändern und einzelne Bewegungsphasen unter vereinfachten Bedingungen trainierbar machen.
Schwebebalken: Bewegungen schrittweise aufbauen
Beim Turnen auf dem Schwebebalken werden Standpositionen, Schritte, Drehungen, Sprünge und akrobatische Elemente wie Handstand, Rad oder Flick-Flack auf einer sehr schmalen Lauffläche ausgeführt. Für den Einstieg werden diese Bewegungen deshalb zunächst unter vereinfachten Bedingungen geübt.
Aufrollbare Übungsbalken aus Schaumstoff ermöglichen das Training in Bodennähe und reduzieren damit die Fallhöhe. Methodikbalken bieten ebenfalls eine niedrigere und damit leichter kontrollierbare Trainingssituation, kommen Form und Breite eines regulären Schwebebalkens aber bereits näher. Laufflächenverbreiterungen vergrößern die Auftrittsfläche dagegen direkt am klassischen Balken und schaffen eine weitere Zwischenstufe auf dem Weg zur regulären Breite.
Schutzpolster und passende Matten ergänzen den Aufbau und erhöhen die Sicherheit rund um das Gerät. Mit wachsender Bewegungssicherheit können Höhe, Breite und Schwierigkeit schrittweise an die reguläre Balkensituation angepasst werden.
Kreisflanken: Komplexität schrittweise steigern
Kreisflanken gehören zu den technisch anspruchsvollen Elementen am Pauschenpferd. Stützkraft, Körperspannung, Gewichtsverlagerung und Bewegungsrhythmus müssen dabei präzise zusammenspielen.
Ein Turnpilz eignet sich, um die reine Kreisbewegung ohne Pauschen zu festigen. Das Pauschenbrett ergänzt die typische Griff- und Stützarbeit an zwei Pauschen, bleibt dabei aber bodennah und reduziert die Fallhöhe. Das Boden-Pauschenpferd kommt der späteren Gerätesituation am nächsten, da Korpus und Pauschen dem Wettkampfgerät entsprechen, gleichzeitig aber deutlich niedriger sind.
Kreisflankenpads können ergänzend eingesetzt werden. Als gepolsterter Schutz entlasten sie die Handgelenke bei häufigen Wiederholungen.
Methodikgeräte für Stütz & Balance
Drei Trainingshilfen für Stütz, Balance und spezielle Bewegungstechniken.
Methodikgeräte passend zum Trainingsziel auswählen
Bei der Auswahl eines Methodikgeräts sind Turnelement, Lernphase und Leistungsstand entscheidend. Soll beispielsweise eine bestimmte Bewegungsphase vorbereitet, die Fallhöhe reduziert oder die Übung bereits möglichst gerätenah ausgeführt werden?
Auch Alter und Körpergröße der Turner sowie die vorhandene Hallenausstattung spielen eine Rolle. Bei einigen Trainingshilfen wie Flick-Flack-Trainern und Keilmatten stehen deshalb unterschiedliche Größen zur Auswahl. Ebenso wichtig sind eine geeignete Mattensicherung und ausreichend Platz für den jeweiligen Trainingsaufbau.
Fazit
Die Beispiele zeigen, dass methodisches Training je nach Turnelement an ganz unterschiedlichen Punkten ansetzt. Beim Flick-Flack geht es darum, die Rückwärtsbewegung und den Übergang in den Handstütz kontrolliert zu erfahren. Am Schwebebalken steht dagegen oft zunächst im Vordergrund, Bewegungen mit geringerer Fallhöhe oder auf verbreiterter Lauffläche sicher auszuführen.
Methodikgeräte verändern also nicht pauschal die Schwierigkeit einer Übung, sondern gezielt die Trainingsbedingungen für die Anforderung, die im jeweiligen Lernschritt im Mittelpunkt steht. Mit zunehmender Sicherheit und Technik kann die methodische Unterstützung schrittweise reduziert und die Übung näher an die reguläre Ausführung herangeführt werden.
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Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Beitrag das generische Maskulinum verwendet. Die verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechter.